Eingemeindung Mariengrund nach Langendembach

                               am Samstag, d. 03. Mai 2008

Die entsprechenden Beschlüsse der Gemeinderäte in Lausnitz und Langenorla zum Gebietsaustausch wurden im vergangenen Jahr gefasst. Wir möchten dieses Ereignis gemeinsam feiern. 

15:00 Uhr Wanderung in den Mariengrund 
(kleiner Festumzug mit Schalmeienkapelle) 
Treffpunkt: Gasthaus „Grüner Wald“ in Langendembach

16:00 Uhr Ansprachen (Bürgermeisterin Karla Simon,
Bürgermeister Georg Graven und Landrat  Frank Roßner)

16:20 Uhr Urkundenunterzeichnungsakt

Anschließend gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen.
Rost brennt. Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. 

Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.

Graven
Bürgermeister 

  Der Mariengrund

Der Mariengrund ist ein Kleinod für alle Naturverbundenen und Heimatliebenden. Es ist ein herrliches Fleckchen Natur, es bietet erholsame Ruhe, ist aber auch ein erlebnisreiches Wanderziel für diejenigen, die mit offenen Augen die Natur genießen. Territorial gesehen, besonders unter Beachtung des Zugangs und der menschlichen Zuneigungen untereinander, gehört der Mariengrund eher zu Langendembach als zu Lausnitz. Die verkehrstechnische Straßenanbindung besteht nur nach Langendembach.

Die Postadresse und die in Personaldokumenten lautet auf Lausnitz, Ortsstraße, jedoch die Briefkästen der Anwohner befinden sich in Langendembach an der Straße zum Mariengrund. Das gesellschaftliche Leben wie Schul- und Kirchbesuch bis hin zum Bestattungswesen, aber auch das Vereinswesen und die geselligen Anlässe verbanden die "Mariengründler" schon seit der Besiedlung mit Langendembach.

Die Eigentumsverhältnisse der Waldflächen, die zum Besitz des Rittergutes Lausnitz gehörten, und deren intensive Nutzung Anfang des 18. Jahrhunderts waren zwingend mit der Ansiedlung von Waldarbeitern und Flößern verbunden. Deren Zuordnung zur politischen Verwaltung nach Lausnitz war schon zu jener Zeit aus menschlichen Gesichtspunkten fragwürdig. Durch Eigeninitiative und auch durch Selbstlauf orientierte sich das gesellschaftliche Leben nach Langendembach, jedoch die Abgaben, egal welche und zu welcher Zeit, gingen an die politisch erfüllende Gemeinde Lausnitz. Vorzüge durch Mittelrückfluss, Investitionen oder Steigerung der Lebensqualität waren eher gering oder fielen vollkommen aus. Im August 2004 wendete sich die Familie Partschefeld Hilfe suchend an die Gemeinde Langenorla, einer Herauslösung des Mariengrundes aus der Gemarkung Lausnitz und einer Zuordnung und Eingemeindung des Mariengrundes nach Langenorla zuzustimmen und diese aktiv zu unterstützen. Seitdem wurden Bemühungen betrieben mit der Bürgermeisterin von Lausnitz, Frau Karla Simon, sowie dem Gemeinderat von Lausnitz in zielführende Gespräche zu kommen. Das gestaltete sich wider Erwartens schwieriger als zunächst anzunehmen war. Ja, die Fronten verhärteten sich sogar so weit, dass es zum Abbruch der Gespräche kam und Lausnitz dem vorgeschlagenen Gebietsaustausch eine Totalabsage erteilte. Im September 2005 unternahm die Familie Partschefeld einen erneuten Vorstoß. Gemeinsam und mit verhaltenem Optimismus wurde eine Strategie der Diplomatie besprochen, wie die weitere Vorgehensweise betrieben werden könnte.

1. Gespräch von Bürgermeister zu Bürgermeister
2. Gesprächsführung unter Einbeziehung ausgewählter Gemeinderäte unter Führung beider Bürgermeister
3. Diskussion eines sinnvollen Gebietsaustausches
4. Bürgerbefragung in der Gemeinde Lausnitz Bei«positiver Entscheidung:
5. Gemeinderatsbeschlüsse beider Gemeinden zum Gebietsaustausch und damit für die Eingemeindung nach
     Langenorla

Diese 5 Schritte wurden vom Oktober 2005 bis zum 15. Mai 2007 zielstrebig abgearbeitet und führten am 15. Mai 2007 in öffentlicher Gemeinderatssitzung in Langenorla zur positiven Beschlussfassung zum Gebietsänderungsvertrag Mariengrund Gemeinde Lausnitz/Gemeinde Langenorla. An der Abstimmung nahmen von 13 Gemeinderäten 10 teil. Ein Gemeinderatsmitglied fehlte entschuldigt, zwei unentschuldigt. Die Beschlussfassung erfolgte einstimmig. " Damit hat nun endlich die Vernunft gesiegt und im Interesse der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen wurden politische Entscheidungen herbeigeführt. Das historische Datum der Eingemeindung wird auf den 3. Mai 2008 festgelegt. Die Einwohner des Mariengrundes sind nun herzlich willkommen und aufgenommen in der Gemeinde Langenorla. Aus diesem An-lass wurde ein kleines Fest gefeiert.

Liebe Lausnitzer Bürgerinnen und Bürger, Euch ein herzliches Dankeschön für Euer Engagement in der sicher nicht einfachen Entscheidung.

Liebe Frau Bürgermeisterin Karla Simon, auch Ihnen ein ganz herzliches Dankeschön für die Konstrukivität bei der gemeinsamen Suche nach Lösungen.
    Georg Graven
    Bürgermeister Langenorla
080503mariengrund01.jpg (102119 Byte) 080503mariengrund02.jpg (99820 Byte) 080503mariengrund03.jpg (92150 Byte)
080503mariengrund04.jpg (101328 Byte) 080503mariengrund05.jpg (91450 Byte) 080503mariengrund06.jpg (91843 Byte)
080503mariengrund07.jpg (88260 Byte) 080503mariengrund08.jpg (90873 Byte) 080503mariengrund09.jpg (49362 Byte)

 
mariengrund01.jpg (195446 Byte) mariengrund02.jpg (102333 Byte)
Bilder: S. Hoffmann OTZ
mariengrund03.jpg (106011 Byte)

                                    Informationen des Bürgermeisters

Mariengrund (Gebietsaustausch Lausnitz - Langendembach)

Mit Unterschrift und Siegel wurde am 03. Mai 2008 die Umgemeindung des Mariengrundes aus der Gemeinde Lausnitz nach Langendembach in die Gemeinde Langenorla durch die Bürgermeisterin der Gemeinde Lausnitz, Karla Simon, und dem Bürgermeister der Gemeinde Langenorla, Georg Graven vollzogen. Bei schönstem Frühlingswetter nahmen etwa 250 Interessenten aus den betroffenen Gemeinden am Festakt unter freiem Himmel im Mariengrund teil. Gemeinsam traf man sich in Langendembach am Feuerwehrgerätehaus, um einen kleinen Festumzug zur Wanderung in den Mariengrund zusammenzustellen. Angeführt wurde dieser vom Ritter Wolf von Stein und Gattin. Die Marschmusik erschallte aus dem Ensemble der Schalmeienkapelle Oppurg. Die Langendembacher Vereine "Tradition verbindet e. V.", der Bauernverband, der Jugendklub, die Freiwillige Feuerwehr sowie der Wanderverein aus dem Umland trugen ganz entscheidend zum Gelingen dieses würdigen und historischen Festaktes bei. An der Weggabelung zum Krebsteich wurde der Umzug von Mitgliedern des Lausnitzer Gemeinderates und der Freiwilligen Feuerwehr empfangen. Als Zeichen der Verbundenheit, in Überwindung aller Schwierigkeiten im Vorfeld dieses Gebietsaustausches, wurde eine Rotbuche übergeben. Dieses Bäumchen wurde unter den Klängen der Forstamtsbläsergruppe der Jägerschaft Pößneck von Mitgliedern des Wandervereins im Mariengrund gepflanzt. 

Allen Beteiligten, die zum Gelingen dieses Gebietsaustausches und zum Gelingen des stimmungsvollen Festaktes und dem geselligen Beisammensein beigetragen haben, ein ganz herzliches Dankeschön. 
Ist doch auch dieses Ereignis ein Zeichen und ein Beweis dafür, dass überall da, wo Vernunft und guter Wille vorhanden sind, zielführende Ergebnisse im harmonischen Zusammenwirken innerhalb der Bevölkerung und in einer funktionierenden Verwaltungsgemeinschaft zu erreichen sind. 

Aus dem Amtsblatt 2008, Nr. 23

Der Mariengrund
Aus dem Lehnbuch des Abtes Georgius von Thun zu Saalfeld
aus dem 15. Jahrhundert ist zu ersehen, dass die damalige Benediktiner-
Abtei zu Saalfeld Grundbesitz in der Nähe des heutigen
Mariengrundes inne hatte. In einer Urkunde werden Zinsen
und Güter „im Loch zu Langen-Tambach und Molkenbach“ genannt.
Nach alten Überlieferungen im Grund ein Jagdhaus der
Äbte von Saalfeld gestanden haben. Der Walddistrikt des Mariengrundes
gehörte vor 1705 zum ehemaligen Rittergut von
Stein Lausnitz. Wolf von Stein, der als Verschwender bekannt
war, sah sich gezwungen, durch einen größeren Holzeinschlag
seine Schulden zu tilgen. 11.000 Klafter Holz sollten an Moritz
Wilhelm Herzog von Sachsen verkauft werden. Das Schlagen
und der Abtransport des Holzes bereitete Schwierigkeiten, da
an Ort und Stelle weder genügend Holzfäller noch Flößer vorhanden
waren. Der kurfürstlich-sächsische Floßmeister Gottlieb
Wenzel ersuchte deshalb den Herzog von Sachsen, Holzarbeiter
zu verschaffen, um alle Arbeiten verrichten zu können. Dem
Ersuchen wurde 1707 stattgegeben und eine zum Dorf Lausnitz
gehörende Neuansiedlung entstand.
Die Bezeichnung „Mariengrund“ ist auf alten Karten und in Lehenbüchern
nicht vorhanden. Von alters her wurde diese Flur
Zweifelbachgrund oder Zweibachgrund genannt. Mit der Bezeichnung
Mariengrund verbinden sich viele Vermutungen. So
soll im Grund ein immergrüner Rosmarienstrauch gestanden
haben. Weiter wird vermutet, dass es eine kleine Kapelle aus
vorreformatorischer Zeit gegeben hat, die der Jungfrau Maria
geweiht war. Oder hat der Floßmeister Wenzel aus Liebe zu
seiner Frau Maria dieses schöne Tal einfach umbenannt?
Gleichlaufend mit dem Ausbau der Siedlung wurde das
Bächlein mit seinem rasch fließenden Wasser zu einem brauchbaren
Floßbach ohne Krümmungen und Einengungen umgewandelt.
Um das fließende Wasser zu verstärken, wurden im
Oberlauf Floßteiche angelegt. Das Holz wurde im Floßbach zur
Orla und Saale bis in die Nähe von Naumburg geflößt.
Für den größten Teil der Bewohner des Mariengrundes und der
umliegenden Orte war das Fällen von Bäumen und die Verarbeitung
des Holzes eine wichtige Erwerbsquelle. Durch die Ansiedlung
von Schneidemühlen und Mahlmühlen gab es genügend
Arbeit. Nach guten Jahren folgten weniger gute Jahre. Die
kargen Sandböden und die Hanglage boten wenig Gelegenheit
zum Anbau von Feldfrüchten. Anfang des vergangenen Jahrhunderts
wurden Gartenlokale gegründet. Das war auch zunehmend
eine lohnende Sache im Mariengrund. Nach und nach kamen
immer mehr Gäste und eine Schankwirtschaft mit
Gästezimmern wurde eröffnet. Die Gäste waren aus der Umgebung,
viele auch aus Jena und sogar Leipzig. Sie konnten wandern,
baden und sich in der Natur entspannen.
Noch heute ist dieser Ort ein beliebtes Ziel für Wanderer, nur
muss man sich jetzt seine Getränke und eine Wegzehrung
selbst mitbringen. Dieses Fleckchen Erde hat aber bis heute
nichts von seinem Reiz verloren.
K. Simon


Aus dem Amtsblatt 2008, Nr. 23